Von einem Herzen und seiner Stärke

Ich öffne die Augen und schaue aus dem Fenster, während ich über das Leben, mein Wesen und die Menschheit selbst in Melancholie versunken nachdenke. Immer wieder begegnen mir Seelen, die den Glauben und jede Hoffnung auf etwas Gutes, etwas Warmes irgendwo auf den unsteten Pfaden ihrer Reise verloren haben. In ihren Blicken ruht eine Härte, die sich viel zu oft aus dem dunklen Brunnen des Zynismus speist und sich mit aller Unerschütterlichkeit vor den wärmenden Momenten des Lebens verschließt. Für sie, die sie jedwede Hoffnung, jedwede Art von Glauben als Illusionär empfinden, erscheint der Sonnenschein wie ein spottender Narr am Firmament; ihre potenziell frühlingshaft angehauchten Momente wirken wie der verräterische Lockruf einer listigen Schlange. „Hoffnung und Glaube sind nichtig in dieser Welt.“ – Verbitterte Stimmen hallen dumpf von den Wänden meines Herzens grau wider.

Immer wieder sehe ich sie, die anklagenden Blicke, Augen, die mich eine Närrin schimpfen und mir mein Wesen absprechen wollen. Immer wieder missverstanden, immer wieder belächelt, immer wieder von Regen ertränkt. Doch dieses kleine, unscheinbare Herz hält sich die Treue ob all der blutigen Scherben und Trümmer, aus denen es sich mehr und mehr zusammensetzt. „Unnahbar und kalt, und doch so warm zugleich.“ – Die grimmige Fratze unserer Zeit mag die Mimik meines Gesichtes, das Antlitz meiner Seele geprägt haben, doch über den sensiblen, oft zu empfindsamen Kern dahinter könnte alle Härte dieser Welt niemals gänzlich hinwegtäuschen. Das Eis auf meiner Seele ist gerade kalt genug, um nicht an der Kälte und Tristesse auf Erden zu gedeihen. Vieles mag mit der Zeit schwinden und verblassen; mein Glaube und meine Hoffnungen aber bleiben wie eine Flamme bestehen.

Es regnet, wenn ich hinausgehe, es stürmt, es schneit und donnert; doch wähnt mein Herz den Sonnenschein hinter allem Grau und aller Trauer doch niemals weit entfernt. Mögen es die Menschen gutgläubig nennen, närrisch oder sensibel: Dieses Herz ist mit all‘ seinen Verletzungen und mit all‘ seinen Wunden stark genug, den Glauben und die vielen Hoffnungen, die es wärmen, trotz allem Schmerz und allen Rückschlägen zu tragen. Wie oft glaubte ich zu zerbrechen an Einsamkeit, Weltschmerz oder der erwartungsgeprägten Hektik dieser modernen Menschenwelt. Das Herz in meiner Brust wusste von Anfang an besser um die Stärke, die ein einzelnes Herz zu tragen vermag: Es ist in seinem Leuchten stärker als die Stürme und alle Finsternis dieser Welt.

So oft zerbrochen, so oft verzweifelt. Wie viele Tränen sind gefallen, bis keine mehr von ihnen flossen? Entgegen aller eigenen Erwartung, bar aller Grenzen jedoch hält dieses kleine Herz mit all‘ seiner darzubietenden Kraft an der Hoffnung auf eine wärmere, gütigere Welt für jedermann mit ganzem Glauben fest. Ich glaube, wie mein Herz glaubt – und wie könnte ich anders, verkörpert jede Faser dieser Seele, jede Zelle dieses Körpers den Glauben an das Wertvolle, Schöne, von Liebe getragene selbst. Immer wieder höre ich das Glas seiner Hülle bersten und brechen, zerschlagen an den Klippen der harschen Realität. Doch mit jedem weiteren Schlag, mit jedem weiteren Bruchstück, das es sich selbst mühsam und von blutiger Hand geführt liebevoll neu einsetzt, glaubt es und hofft es voller Unerschütterlichkeit unbeirrt weiter. „Wie weit können müde Füße, ein müdes Herz schon gehen?“ Eine Stimme webt ihr Echo voller Aufdringlichkeit in meinen Gehörgang. „Wer weiß das schon?“, hallte es von irgendwoher aus den Tiefen des Herzens. „Vielleicht weiter als man selbst, als die ganze Menschheit glaubt.“

Ich glaube an die Liebe.
Ich glaube an die Kraft zu berühren, die in jedem von uns ruht.
Ich hoffe auf die Kraft der Veränderung,
das Erkennen unserer Stärken,
hoffe mit jeder Faser dieser Erde,
hoffe mit jedem neuen Tag.

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