Des Wolfes Seele

Bei Nacht verwandelt
im Mondeslicht hell
bei voller Runde mich,
hinein in fremdes Fleisch
mir nicht vertraut
auch nie gewollt.
Meine Sinne verloren,
einst scharf und stark
doch nun zu schwach;
mit Zähnen stumpf
und Ohren rund,
in Kälte gehüllt
ganz ohne Schutz.
Einst warm die Haut
durch Fell am Leib,
nun starr und taub
mit jedem Schritt,
auf zweien statt vieren
durch Städte grau,
mir völlig fremd
beraubt der Natur.
Zum Menschen nun
mein Selbst in Ratlosigkeit
einst stolzer Jäger,
doch verloren nun
in Welten verhasst
unter falscher Haut.
Einst gemieden,
jene Kreaturen nackt
im künstlichen Mantel,
doch geworden zu einer
voll Pein und Scham,
auch kein Heulen hört
in Verzweiflung der Mond.
Die Seele blutend
als falscher Strich
in des Menschen Bild,
bloß gemacht bizarr;
mein Antlitz leer,
durch ihre Blicke kalt
und Herzen starr.
Verjagt vom Griff
der menschen Künstlichkeit
mit Müh‘ entkommen,
zurück ins Grün;
im Walde allein‘,
nur Schatten sehend
die Seele gekränkt.
Doch im schwachen Scheine
des vollen Mondes
ein Lächeln spürt
mein traurig‘ Herz,
gewährte mir zurück
der Geister Güte
meine wahre Gestalt
zuvor geraubt.
Auf Pfoten geschwind
von der Menschenwelt fort
im Wolfspelz warm,
in Einigkeit still
mit des Mondes Gunst,
weit weg vom Schein
der Betonbauten grau,
jener Künstlichkeit.
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