Die Massen

Der Pöbel, die Menschen, als breite, große Masse, stand da und sah herüber zu ihm, dem Außreißer, dem Verweigerer, mit Blicken starr und einheitlich, herab auf sein Benehmen, wie er dastand im Abseits und erdreistete sich, zu tun was sie nicht taten.
Er hielt stand den Blicken, sah sie kommen mit Worten und Fragen bereit, doch sah ihm niemand in die Augen, hinein in seiner Seele lauten Protest, bloß stumpf an ihm vorbei.
Und sie sprachen darauf:
„Warum kannst du nicht normal sein, nicht denken und leben wie wir, nicht mit der Mode und der Zeit gehen, dich fügen und eingliedern, einfach mit uns folgen dem Weg?
Warum bewegst du dich am Rande, kannst du dich schlicht fügen hinein in unsre Masse, in unsre wohlige, behütete Mitte, statt abzulehnen und zu leben in deiner Einsamkeit, dich gesellend zu Menschen zum reden und Spaß haben, die hier stehen in Massen?
Warum widersprichst du, kannst du schlicht annehmen, was dir gegeben ist von Oben und deinem Umfeld, kannst du übernehmen das Wissen aus Buch, Medien und Geschichte, statt stets dir deinen Kopf zu zerbrechen mit unnützem Hinterfragen?“
Und so sprach der kleine Kerl, der Außenseiter und schief beäugte:
„Warum, warum, das fragt ihr mich? Mit Masse und Trend zu gehen reicht und genügt mir nicht. Einen Kopf zum eigenständigen Denken, ein Herz zum fühlen habe ich bekommen, nicht zum zerstümmeln und verschenken an Einheit und Folgsamkeit. Warum, das fragt ihr, noch immer mit euren Blicken, macht ihr euch scheinbar nur einfach das Leben und Miteinander, doch habt ihr euch verkauft und aufgegeben, Möglichkeiten und Selbstbestimmung für das scheinbare Miteinander verschenkt. Seht euch um, erkennet für euch statt durch anderer Menschen Augen, lasst euch nicht diktieren Meinung und Wissen, habt ihr auch einen Kopf zum selbstbestimmten Denken. Für euch mag es Recht erscheinen, einfach und gut – doch lässt es mich erschaudern und erschrecken. Reden könnte ich mit allen, mit jedem und mit keinem, doch würde es nichts ändern, an den Formen und Anpassungen, dem Kollektiv und deren Meinung, werden bloß vom Wind fortgetragen meine Worte, mein nicht Konform sein auch in eurer Mitte unterstreichend. So stehe ich lieber am Rande, alleine und schief beäugt, als anzupassen mein Wesen, wie von euch und anderen laut wie still verlangt. Unser Wesen, das Herz, Charakter und Seele, sie sollten frei sein und nicht nur bloßes Produkt, nicht einheitliche Ware, nicht Geld verkauft für das Nichts, lediglich glänzend und verlockend, auch tatsächlich bloß Schall und Rauch.“
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