Tun in Herzensfreude

Eines Nachmittags ging ein Junge zum naheliegenden Feld, um dort zu ernten. Als er auf dem Weg am Rande des Flusses einen alten Mann sah, blieb er stehen. Flötenspiel drang an seine Ohren. Er ging zu ihm und setzte sich direkt neben ihn. „Warum spielst du hier Flöte?“, fragte er den alten Mann. „Das tue ich gerne. Und solange ich hier bin, werde ich spielen.“ Der Junge ließ vom alten Mann ab, ging schließlich zum Feld und kurz darauf zurück in sein Dorf.
Am nächsten Morgen ging er erneut zum Feld, dieses Mal, um neu anzubauen. Auf dem Weg sah er den alten Mann erneut auf seiner Flöte spielen. Verdutzt ging er zu ihm. „Sie spielen noch immer“, stellte er fest. Der alte Mann blickte ihn mit funkelnden Augen an. „Oh ja“, sagte er. „Das tue ich gerne. Von daher spiele ich, bis ich schließlich weiterreise.“ „Aber ist es nicht unsinnig, wo Ihnen doch niemand zuhört?“, fragte schließlich der Junge. Lachend sah der Alte ihn an. „Ich spiele, weil ich es von Herzen gerne tue, ganz gleich, wohin ich auch gehe. Ob mir dabei jemand zuhört, ist dabei ohne Bedeutung. Der Wind wird die Klänge auch zu den Menschen tragen, nämlich denen, die zuhören mögen; und wenn keiner zuhört, so ist es ohne Bedeutung, macht es mir noch immer Freude. Wohin ich gehe, ist daher vollkommen egal.“
Als der junge schließlich am nächsten Tag loslief, ging er nicht zum Feld. Er setzte sich am Fluss zum Alten und lauschte seinem Flötenspiel.
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