Von Herzen geben

Oft pflegt der Mensch laut zu sagen „Lass‘ mich dir helfen!“ Es mag schön sein, wunderbar wie zugleich erfreulich, ein greif- und fühlbar gemachtes Stück der Güte und Liebe ― sofern es denn wahrlich aus den tiefsten Winkeln unseres Herzens kommt. Oftmals sind wir enttäuscht, weiß der Empfänger die ihm gegebene Hilfe und Unterstützung nicht zu würdigen, und lehnen somit ab, noch länger frei zu geben und verschränken sowohl in der Seele als auch in unserem Herzen gefühlt die Arme vor der Brust. Hierbei jedoch gilt es sich selbst offen und ehrlich die Frage zu stellen: Gebe ich, damit die Gabe gewürdigt wird, oder gebe ich um des Gebens willen?“ Ist die Gabe an eine Erwartung geknüpft, so wünscht sich unsere Person Anerkennung und Wertschätzung. „Schätze mich“ ist, was sie zu hören wünscht und leise hinausschreit in der Hoffnung, man möge es hören. Doch ist es wirklich das, was das Geben, das Helfen und Unterstützen ausmacht oder vielmehr, dass es von Herzen kommt, frei heraus gegeben, ohne einen Gedanken darauf zu verschwenden, was unser Gegenüber letztlich daraus macht? Es liegt bei uns, ob wir frei heraus und von Herzen etwas geben oder ob wir uns stets an Gegenleistungen und Erwartungen klammern, wann immer wir geben. Was der Empfänger jedoch daraus macht, soll weder unsere Sache, noch unsere Sorge sein. Geben wir, so mögen wir geben, weil wir es von ganzem Herzen wollen ― nicht mehr als das. Die Aufrichtigkeit der Gabe, der Wille zum Wohle eines anderen etwas zu geben, ist mehr als genug und das Einzige, was wahrhaft von Bedeutung ist. Würde jeder Mensch helfen einzig dann, kann er im Gegenzug etwas erwarten, so gäbe es bald schon niemanden mehr, der gibt, weil er einfach geben möchte. Und Geschenke werden nicht gegeben, um ebenfalls beschenkt zu werden. Sie werden gegeben, weil wir sie von Herzen geben wollen. Führt man sich ebendies vor Augen, die Schönheit jeder ehrlichen Gabe, so macht das Geben allein mehr Freude, als Worte es jemals ausdrücken könnten.
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3 thoughts on “Von Herzen geben

  1. Geben – einfach so ohne Hintergedanken – ist wohl ein sehr seltenes, aber dafür umso wertvolleres Geschenk, das ein Mensch geben kann.
    Ich persönlich finde, dass man zumindest ein „geringes“ Maß an Wertschätzung als Dankeschön (ich verwende hier ganz bewusst nicht das Wort Gegenleistung) erwarten kann. Damit meine ich nicht die Wertschätzung der eigenen Person, sondern, dass der/die Beschenkte die Geste, die Hilfe oder das materielle Geschenk so sehr wertschätzt, das man eben auch die Freude darüber sieht … bzw. wahrscheinlich reicht auch das Wissen, etwas Gutes getan zu haben, wenn man sich dabei eben sicher sein kann.
    Ich empfinde so übertriebene Dankestiraden ja immer als ziemliche störend, teilweise auch nicht mehr besonders ehrlich, aber ich glaube, du verstehst, worauf ich hinaus möchte.

    Eine sehr schlimme Form des Gebens ist selbstverständlich die, wenn man nur aus Berechnung gibt oder eine ganz bestimmte Gegenleistung dafür erwartet, sich etwas davon erhofft. Ich denke aber, dass es für Menschen, die so handeln – die sicher auch nicht immer nur unehrenhafte Beweggründe dafür haben – auch nicht so einfach ist, mit diesem Charakterzug zu leben. Irgendwann kommt ja dann bestimmt ein Punkt, an dem man ganz allein dasteht und merkt, was man im übertragenen Sinne verbrochen hat.

    Lange Rede, kurzer Sinn – Gedöhns wäre nun wahrscheinlich angebracht. 😉

    Liebe Grüße

    • Absolut. Es ist wohl in der Tat ein sehr seltenes und ebenso wertvolles Geschenk. Wenn allerdings ein wenig Dankbarkeit von seinem Gegenüber erwartet wird, so kann ich dies durchaus verstehen, denn: Wer tat dies in seinem Leben schon nicht? Wir alle haben schon mindestens einmal etwas gegeben und dabei ein wenig Dankbarkeit erwartet. Es gehört schon einiges dazu, bar jeder Erwartung zu geben, und auch nicht immer fällt es leicht, ganz ohne Frage. Wie oft sieht man Menschen, die einem anderen etwas von sich geben und resignieren, wenn sie bemerken, dass es nicht geschätzt bzw. gewürdigt wird? Und wer kann schon von sich behaupten, sich nicht zu freuen, wenn einem dann doch Dankbarkeit gezeigt wird, sei es auch lediglich in Form eines “Dankeschön”? Ich denke wohl absolut niemand 🙂

      Aus Berechnung geben kann in der Tat unschöne Folgen haben. Doch solange man sie erkennt, vor ihnen nicht seine Augen verschließt und gewillt ist, etwas an sich und den Umständen zu ändern, so sollte auch das positiv zu unserer Entwicklung beitragen. Wenn ich mich selbst so reden höre und so schreiben sehe, dann klinge ich vielleicht schon zu positiv und optimistisch, aber so bin ich wohl 🙂

      Danke jedenfalls für deinen Beitrag und liebe Grüße!

  2. Geben ist eine spirituelle Tätigkeit aber nicht nur das, geben ist hochangesehen, auch das nehmen oder annehmen, sollte Gleichwertig sein. Wo ein Geber ist da muss auch ein Nehmer sein, wenn Deine Gabe abgelehnt wird, stehst Du ganz blöd da. Geben und nehmen ist eine Kunst. Wenn Menschen immer nur geben wollen, so ist das einseitig. Auch der Geber muss lernen, eine Gabe einfach annehmen und nicht schon wieder denken, wie er sich revanchieren könnte. Wer gibt, mit dem Gedanken auf Gegenleistung, gibt nicht mit dem Herzen.
    LG zentao

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