Erwachsenwerden und Kindsein

Erwachsen werden. Wer erinnert sich nicht daran, wie er als Kind stets seinen Eltern zuschaute und neidisch blickte auf das, was sie alles tun dürfen? Mit kindlicher Neugier liefen wir ihnen nach und erfreuten uns an ihrer Welt, der Welt der Großen, jener, die längst den Kinderschuhen entschlüpft sind. Damals waren wir uns alle einig: Ich möchte auch schnell so groß wie Mama und Papa sein! Dieses Erwachsen werden jedoch ist tückisch, ein Ding, dass wir mit zunehmendem Alter selbst schnell in einem anderen Licht betrachten. Wir erkennen schnell, dass der vermeintliche Zauber, die vermeintliche Freiheit durch Entscheidung und weniger Verbote nicht ist, als was sie uns in unseren zarten Kinderschuhen stets erschien. Die scheinbare Pracht des Erwachsenseins, sie blättert und bröckelt wie falsches Gold, welches wir auf die Welt klebten, damit sie edler und schöner erscheint. Bald darauf schon sehnen wir uns in jene unbeschwerten Tage zurück, jene Tage in Kindheit, die erfüllt waren von Magie, dem Neuen wie Unbekannten, welches uns umgab und stets auf seinen Entdecker wartete.
Jene Pracht und Magie, welche es im Leben zu entdecken gibt, die der kleinen und großen Dinge, sie kommt unseren Herzen zunehmend abhanden, verlernen wir den weitgehenden Blick auf jene, welcher uns diese Dinge sehen lässt wie in unseren Kindertagen. Im Magischen des Lebens sehen wir zunehmend altbekannte Routine, Dinge, welche wir bereits in und auswendig zu kennen scheinen, ohne darin noch Zauber und Schönheit zu erkennen. Wir fühlen alles das nicht mehr, wird es uns geläufig — Wir resignieren innerlich, ganz still und heimlich, alles Kindliche wie einen Toten in den Sarg legend und begrabend. Unser vermeintliches kennen jedoch ist lediglich Trugschluss, eine Illusion, welche unser Verstand uns vorspielt, schließen wir gewisse Türen in unserem Herzen und fügen uns so dessen Urteil. Jener Zauber, jenes Magische im scheinbar so Altvertrauten und Bekannten, es verschwindet mit zunehmendem Alter nicht. Nach wie vor umgibt es uns gleich dem Wind, der sanft Wiesen und Bäume, Haut und Haar streift und seine Anwesenheit verkündet, ebenjener Wind, den wir auch zu genießen pflegen. Jener Zauber ist noch immer präsent, verschwindet er mit dem Entschlüpfen der Kinderschuhe nicht, nein — Er will von uns gefühlt, will von uns entdeckt werden.
Erwachsen sein bedeutet nicht etwa pure Tristesse und grauer Trott, verbirgt sich darin vieles mehr als Routine, Verpflichtung und Arbeit. Bewahre jenen kindlichen Blick, jene kindliche Neugier auf das Unbekannte, zu Entdeckende, steckt ein Teil von jenem Kinde, welches wir einst waren, auch jetzt noch immer tief in uns. Viele legen es lediglich schlafen und vergessen, dass es überhaupt präsent ist, sich von ihm zunehmend entfernend; andere greifen seine Hand und gehen mit ihm gemeinsam über die Pfade des Lebens. Kindlicher Glanz stirbt nicht — Sterben wird er einzig nur dann, erlauben wir, dass er stirbt.
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