Vom Leben: Kreativität und Monotonie

Geistig verirrt sein. Es ist keine generelle Tragik, kein allgemeines Zeugnis von Krankheit und Wahnsinn, sondern einer der Pfade die da führen zu jenen schmalen Straßen und Gassen, die andernfalls verborgen blieben, jenem neuem, das da sonst andernfalls ein niemand sähe. Dort, wo das Licht sich nur selten einfindet, dort lässt sich so mancherlei Ding von Reiz finden, mancherlei Ding von Geheimnis und Undefinierbarkeit umgeben, versteckt inmitten der Straßen, die eingemeißelt sind in den Körper der zarten, doch großen Welt. Stetig auf den Hauptstraßen des Lebens zu wandern käme einem Versäumnis von Abenteuer und Neugier gleich, sind die Rahmen schon gezogen, die Mauern und Straßen errichtet und ihre Formen in Stein, Kopf und Herz gemeißelt. Das Neue verirrt sich ungerne dorthin, findet sich selten dort ein und fühlt sich erdrückt vom Monotonen. Es flüchtet sich lieber zurück in seine schmalen Gassen, in jene vagen Straßen ohne Stein und Form, denn dort kann es sich am Besten entfalten, ausdehnen wie eine flinke Kletterpflanze und seine Wege ziehen, Struktur errichten, fernab jeder Norm und des Schattens der Monotonie.

Nur selten verrirt sich das kreative Ding heraus auf die weiten Hauptstraßen, ist die feste Struktur dort ihr nicht geheuer, fremd bis in jeden kleinsten Winkel ihres zarten Wesens. Sie wartet dort, wohin sich Licht und Füße nur selten verirren. Nur der Geist, der fernab reist, abseits der bekannten Konturen und Wege, nur jener mag und wird zu ihr finden, auf jenen schmalen Wegen, die da nicht festgefahren, noch genau definiert von den Abertausenden, die da wandern auf ihren breiten Nachbarstraßen.

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