Tränen

Und es werden Tränen geweint, heraus aus Kummer, heraus aus Schmerz, und gleich den vielen Tropfen eines regnerischen, grauverhangenen Tages laufen sie langsam an den Wangen herab. Den Schmerz und den Kummer heraufbeschwören wollten wir nicht, doch ist er nun da, leise und still als Gast, doch in seiner Präsenz unübersehbar. Wir wollen sie hinfortwischen von den Wangen unseres lieben, uns teuren Menschen, doch sind sie nur das Tauwasser des Spiegels, der von innen heraus beschlagen ist, sich in unruhigem Gewässer verliert. Der Tränenfluss der Augen mag verrinnen, die Tränen mögen trocknen, doch ist es die Seele, die nicht länger weinen sollte in Stille, soll sie mitsamt den Augen strahlen wie Diamanten, so leuchtend hell wie ein von der warmen Sonne beschienes Meer.
Wir wollen die uns lieben Menschen nicht verletzen, damit die Seele ihre Tränen durch den Spiegel heraus in die Welt schickt, doch nicht immer vermögen wir ihr fließen und kommen zu vermeiden, dass sie wie kleine Perlen fallen und das Gesicht des Anderen zieren. Hinfortwischen sollten wir sie, behutsam und voller Liebe, mitsamt den Unruhen des Meeres, welche der Seele ihre vielen Perlen abverlangte, die sie wie Regentropfen nach außen trug und still vergoss. Wenn schon die Augen vom Meer der Seele Perlen fallen lassen, so mögen es jene geprägt von unvorstellbarer Freude und Glück sein. Die Trauer macht das Wasser trüb, und mit ihr den sonnenhellen Schein, den sein Spiegel nach außen trägt. Fallen die Tränen, so mögen sie glitzern vor Freude, denn dich, geliebter Mensch, will ich nicht weinen sehen aus Schmerz und Trauer. Und stecke ich dir jemals einen Dorn hinein, der den Augen deine Tränen abringt, so lass mich auffangen jede Einzelne, damit keine davon je in Vergessenheit gerät. Lass‘ mich dir die Sonne bringen, die sie zum strahlen und leuchten bringt, sind sie kostbar wie die Sonne, die du bist.
In deinen Augen finde ich dich selbst; in deinen Augen finde ich mich selbst. In deinen Augen finde ich Glück; in deinen Augen finde ich Freude und Leben. Nichts davon mag ich dir nehmen, nichts davon soll durch Schmerz und Kummer getrübt sein wie verregnete, von Sturm umwobene Herbsttage. Deine Tränen mögen fallen ― In Momenten der Freude, bei der die Seele selbst vor Rührung nasses Sonnenlicht weint.
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